Wie de hellije zinte mätes coronasafe durch Mülheim trappelte

Einsam hebt die Trompete an. Spielt das Lied vom Martin. Schwingt durch die menschenleere Straße – und überall pressen sich auf einmal kleine und große Gesichter an die Scheiben, wollen es kaum glauben, denn das kann doch gar nicht sein. Dass da Martinslieder klingen und dann auch noch Hufgeklapper. Und dann reitet er vorbei, der Martin mit dem roten Mantel, mit goldnem Helm und braunem Pferd. So trippelttrappelt er vorbei, und kaum, dass er da war, ist er auch schon weiter und die Musik verklungen und alles wirkt so wie ein Traum, als wäre er nicht da gewesen – weil das doch gar nicht möglich ist in dieser sorgenschweren Zeit. Aber ist das nicht genau die Zeit, in der man dran erinnert werden soll, dass Teilen gut ist, und das Anandredenken, und ans Miteinanderssein, ans Umeinanderkümmern?

Mülheim war einen Moment verzaubert. Menschen haben applaudiert, Kinder von Balkonen gejubelt, gesungen, Laternen geschwenkt. Sie waren verzaubert, entführt in einen Moment, in dem sich diese Zeit doch gut anfühlte, kurz unbeschwert, getragen, glücklich – und mit funkelnden Augen können Erwachsene und Kinder nun sagen: Da ist was dran, am Martinstag. Es ist der Tag, der trotzdem stattfand. Und schön wars, wahrhaftig!