Das gute Leben in Dosen

Wo ist’s hin, das gute Leben? Diese Woche wollten wir es für einen Tag einfangen. Wollten es auf unser Sofa setzen, draußen mitten auf der Wallstraße. Sodass alle, die mögen, sich kurz dazu setzen können. Und drumzu sollten selbst gemachte Musik und vertraute und neue Gesichter und ein bisschen Leichtigkeit wehen. Weil wir das gerade so vermissen. Das gute Leben in Mülheim.

Die beymeister haben sich schon darauf vorbereitet. Haben leere Konservendosen und Schraubgläser und Tetrapaks aus den Ecken ihrer Wohnung gekramt. Damit wollten wir dem Veedel was Gutes bauen. Haben die Lieblingsplatten aus den Umzugskisten gepackt. Damit’s auch bisschen Musik gibt, ist nämlich wichtig für’n gutes Leben.  

Aber das gute Leben hat kurzfristig abgesagt. Kann leider nicht kommen. Corona halt. Jetzt steht der Laden voller Dosen und die Wallstraße bleibt diesen Sonntag leise. Kein Sofa, keine vertrauten Gesichter, kein gutes Leben.

Das ist uns mit dem guten Leben jetzt schon öfter so gegangen. Eingeladen und kurz vorher abgesagt. Einfach nicht gekommen. Und wir stehen da mit geschmiedeten Plänen die keinen Ort bekommen. Ist das Scheitern? Auf jeden Fall strengt es uns an, dieses Pläne schmieden und dann doch nicht machen können. Weil’s immer wieder daran erinnert, wie schön es sein könnte und was wir gerade alles nicht erleben.

Und trotzdem wird es Sonntag und die Wallstraße ist da und im Vreiheit essen vertraute und neue Gesichter ein Stück Kuchen in der Sonne. Und das Limes hat wieder offen und für die Dosen im Laden wird uns schon was Neues einfallen. Und die Platten ruhen im Karton und warten auf den Tag, an dem das gute Leben doch noch um die Ecke kommt. Denn daran glauben wir.