Dazwischen leben // Coronakraftakt und Veedelsfreuden

Mülheim im Sommer 2020. Eine merkwürdige Mischung. Überall scheint ein gemäßigter Alltag eingezogen zu sein: Cafés sind wieder gut besucht, es gibt kleine Konzerte, und auch wir beymeistern uns durch die Welt. Wir verteilen Essen, wir teilen Leben, haben unseren Schwerpunkt nach draußen verlegt. Und es entwickelt sich etwas: Im alten Schleckermarkt wird seit Jahren endlich wieder gebaut. Das schöne U macht sich betriebsfein – der Unverpacktladen macht demnächst auf und wird Mülheim bereichern. Ein neues Café wird kommen auf der Buchheimer Straße, gegenüber der Apotheke. Und doch fehlt uns die Euphorie. Die Aufbrüche sind gedämpft. 

Woher soll sie auch kommen? Alles steht unter dem Vorzeichen von Corona. Wir wissen nach wie vor nicht, wie es weitergeht. Die Wirte bekommen ihre Cafés weit weniger gefüllt als vorher. Wer sich in die Arme fallen möchte, muss auf Abstand bleiben, und wer das nicht tut, muss sich zurecht fragen, ob er, ob sie damit niemanden, gefährdet.

Zudem ist die Frage: Was wird im Winter, wenn es kein Rheinufer, keine Außengastronomie, keine Freiluftbeymeisterei mehr gibt? Wir werden sehen. Es wirkt wie ein Kraftakt, wie sich alle dagegen stemmen, und das macht uns Mut: Die Kraft, die die Menschen aufbringen, um nicht gegen die Krise zu leben sondern mit ihr. Die Kreativität an allen Ecken. Das gelingende Crowdfunding für unsere neuen Nachbarn mit dem U, das Dennoch, das wir an so vielen Orten in Mülheim spüren.

Welche Rolle spielen wir darin? Das fragen wir uns. Wir sehen uns als Lebensbereicherer, als Dieweltimkleinenverbesserer, als Gemeinschaftsstifter. Aber wie das gehen soll, das fragen wir uns immer wieder neu. Und die Lösungen, die wir finden, gelten immer nur für ein paar Wochen, so lange bis die Welt wieder ganz anders aussieht.

Die Kreativität, die wir dabei aufbringen müssen, wird uns geschenkt, denn würden wir das selber, im Team, alleine stemmen wollen, wären wir schnell ausgebrannt und am Ende unserer Kräfte. Durch Eure Ideen, durch die Hoffnung, die Ihr in uns setzt, helft Ihr uns, weiter zu schauen. Und auch wenn wir nicht wissen, was hinter der nächsten Kurve kommt, wissen wir, dass wir zumindest auf Sicht weiterfahren können. So wie Mülheim im Ganzen. Vorsichtig aufbrechend, tastend wie Fahrschüler:innen in den ersten Stunden – aber vorwärts. Irgendwie weiter und hoffend, dass wir Fahrpraxis auf unserem Weg in die Zukunft sammeln. An der Seite von Euch allen. Mit so vielen anderen tollen Menschen und Initiativen, mit gesammelter Energie.

Ob das unbefriedigend ist? Ja und nein. Denn klar: Wir würden gerne so viel mehr machen. Und nein: Denn wir sind ja gemeinsam unterwegs und merken, wie wohl das tut, das zusammen zu meistern. Irgendwie. Und auch wenn es wohl nicht wieder wird wie früher: Wir schaffen das. Mit Euch. Mit Kraft.