sommersechs | no. 4

Selbe Idee, anderer Ort. (Ranzeria und Beymeister)

Vor kurzem habe ich mit Nadine gesprochen, über Mülheim und ihre Verbindung dazu. Ich habe sie gefragt, Teil der Sommersechs-Reihe zu werden, weil ich von ihrem Tun in der Mülheimer-Szene weiß und wollte mehr darüber erfahren. 
Ein Szene-Projekt beispielsweise ist die Ranzeria und Nadine ist ein Teil davon. Doch bevor es um diesen Ort geht möchte ich natürlich mehr über Nadine erfahren. 

Nach Mülheim hat es sie ganz ungeplant verschlagen, da der Ex-Freund hier in einer Wohnung gelebt hat. Zu Beginn glaubte sie nicht wirklich an Mülheim. Als sie noch woanders lebte, besuchte sie manchmal eine Freundin in Köln die ausgerechnet in Mülheim lebte. Ihr war damals schon bewusst, dass Mülheim nicht zum attraktivsten Stadtteil in Köln gehörte. Damals hat sie nicht damit gerechnet, dass sie eines Tages genau dort ihren Lebensmittelpunkt gestaltet.

Doch heute, ganz besonders auch durch die Ranzeria, merkt sie, dass sich hier ihr Leben in Mülheim abspielt, sie bemerkt immer häufiger wie selten sie eigentlich Mülheim verlässt um in die Stadt zu fahren. 
Und wenn dem so ist, dann für Parties oder Veranstaltungen die draußen stattfinden, auf Plätzen wo Musik gespielt wird, wo man andere Menschen trifft, das gibt es spontan viel häufiger woanders als in Mülheim. 

Aber am liebsten ist sie ganz klar in Mülheim, in der Ranzeria oder mit einem Bier an der Mauer, da hat sich immer gleich ein Gefühl  von Urlaub, wenn man dort so sitzt. 

Und wo ist ihre Heimat? Was macht Heimat aus? 
Wir philosophieren lange über das Thema Heimat und Zuhause und ob es einen Unterschied gibt und was es denn jetzt nun ist – gar nicht mal so einfach diese Fragen. 

Nadine ist in Luanda geboren, in Lippstadt aufgewachsen und jetzt in Mülheim Zuhause- „…das zusammen ist für mich Heimat. Überall da, wo ich Wurzeln schlagen durfte/darf und wollte/will.“

Ob Nadine an ein Mülheim glaubt was im kommen ist? – „Ganz klar, seit ich ich in Mülheim wohne, höre ich das Mülheim kommt und ich erlebe es.“

Kurz nachdem Nadine nach Mülheim gezogen ist, entstand auch die Ranzeria (ungefähr seit Januar 2018). Zu Beginn mit einem kleine Fenstertreffpunkt in der Mülheimer-Freiheit, bei Robin am Fensterbrett. Hier galt das Motto „Hauptsache Flüssig“ – morgens Kaffe, mittags Suppe und abends Bier. So traf man sich vorm Fenster auf der Straße und tauschte sich aus.

Bald kam dann auch die Option einen festen Ort zu erschaffend dessen Namen heute Ranzeria ist. Die Idee dahinter ist zu connecten, Menschen miteinander zu verbinden und zu vernetzten. Mit Angeboten, bei denen jeder Mensch partizipieren kann. Hier lautet das Motto „See a Job, have a Job“ – also alle die Lust haben sich zu beteiligen, können dies tun. Alles kann nichts muss. Hier ist jeder Frei das zu erschaffen was er möchte und kann, was Mülheim fehlt. In der Ranzeria treffen sich Menschen die Lust haben Teil von etwas zu sein. „Mittlerweile bestehen wir aus 15 aktiven Mitgliedern und vielen die einfach immer wiederkommen und gehen, mittlerweile auch aus anderen Stadtteilen.“
Derzeit ist die Ranzeria geschlossen. Denn das Ordnungsamt wurde aufmerksam. Die Vereinsgründung und andere bürokratische Prozesse sind in vollem Gange und alle hoffen, offiziell weitermachen zu können – bis dahin ist es etwas ruhiger.

Mit einer Soli-Party die im Juli über ein ganzes Wochenende im Kulturbunker stattgefunden hatte, wollte die Ranzeria auf sich aufmerksam machen und Geld sammeln für die bürokratischen Schritte zur Vereinsgründung und Raumnutzung – denn solche Orte sind wichtig und dringend notwendig für Mülheim. 

Ziel der Ranzeria ist es also einen Ort für Mülheim zu schaffen, für Jedermann. Jeder ist herzlich willkommen. Auch Nadine ist einst einfach reingestolpert und kam nicht mehr raus. Heute ist sie froh darüber, durch die Ranzeria so gut in Mülheim angekommen zu sein. Dadurch ist sie sehr vernetzt und ihr Freundeskreis hält sich größtenteils dort auf. 
Sie empfiehlt auch anderen einfach vorbeizukommen und sich inspirieren zu lassen. Die Ranzeria ist auf jeden fall ein Ort des Zusammenkommens und des Kennenlernens

Das Konzept ist, dass jeden Tag der Woche einen anderen Abend gestalten wird:

Montag: endlich montag! Spieleabend
Dienstag: Vinyl und Zucker 
Mittwoch: Sketchcorner- es wird gemalt!
Donnerstag: Rapcypher/ Yamsession
Freitag: Vernissage/Party
Samstag: Vernissage/ Party
Sonntag: ganz kleines Kino

Neben dem wöchentlich Programm gibt es aber auch immer wieder Veranstaltungen, wie Flohmarkt oder ähnliches. Also schaut mal vorbei, auch wenn ihr nichts davon hört, wenn dir Tür aufgeht ist auch jemand da. 

Und zu guter Letzt, welche Veränderung wünscht sich Nadine noch von Mülheim? – „Mehr Akzeptanz für junge Menschen, nicht so ein anti-gentrifizierungs-Dings. Dass wir jungen Menschen aufgenommen werden, also nicht, dass ich jemals persönlich Negatives erfahren hätte, aber so ein bisschen hat man das Gefühl, dass die jungen Menschen hier noch eher zu Gast sind.“


Bilderquelle: Ranzeria

Dieser Beitrag wurde verfasst von Analena.

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