Kartoffelschälen im Wohnzimmer. Noch so ein Stück Alltag

Drei Menschen sitzen an einem Tisch, schälen Möhren und Kartoffeln. Das Geschälte kommt in einen großen Topf. Erstmal nicht ungewöhnlich. Aber dann doch. Denn die eine ist über achtzig, der Zweite ist Pfarrer, und die Dritte unter dreißig und zum ersten Mal im Laden. Das Gemüse ist geschenkt. Frisch vom Acker in den Laden, wortwörtlich. Es war noch voller Lehm und roch nach Erde. Der Topf? Heute morgen mitgebracht worden. Weil man hier damit anfangen könne als sie, sagt die Spenderin. Was solle sie als Rentnerin und Witwe mit einem solchen Topf? Lieber in den Laden. Wegen der Gemeinschaft.

Das Geschnittene wird gekocht. Mit Koriander, Kokos, Ingwer, Pfeffer. Heizt durch, gut gegen den Winter. Und wärmt. Nicht nur die drei. Auch die anderen, die kommen. Die Studentin, die Frau von der Gemüsekooperative, die Mutter mit Baby, all die anderen. Zusammen essen sie, was gekocht wurde. Von den Freiwilligen aus dem gespendenten Essen in dem geschenkten Topf. Und sie sprechen dabei. Übers Leben, über die Schulanmeldung, übers Stricken. Und all das ist Alltag. Weil es eben mehr ist als ein Laden. Es ist ein Wohnzimmer. Hier treffen sie sich. Zum Essen. Und zum Leben.